Von Verlagsangeboten und einem lauten Lacher!

Autoren sind auch nur Menschen und Menschen sind ja bekanntermaßen ein bisschen eitel. Bei uns Autoren heißt das, wir sind stolz auf unsere Bücher. Wir haben sie mit Herzblut geschrieben. Und kümmern uns mit ebenso viel Herzblut um die Vermarktung. Freuen uns über Leser, die uns nette Zeilen schreiben, in Form einer Rezension oder gar einer persönlichen Mail. Und es gibt noch so vieles mehr, was das Leben von Autoren bereichert. Ein Verlagsangebot zum Beispiel. Wie schön ist es doch, wenn man nach Jahren, in denen man alleine vor sich hingewurschtelt hat, ein Verlagsangebot im Mailfach findet. Ich sehe schon, wie meine Kollegen an dieser Stelle mit dem Kopf schütteln und seufzen: „Tsss … ein DKZV!“

Zur Information, „DKZV“ ist ein Druckkostenzuschussverlag. Im Klartext bedeutet das: Der Autor reicht sein Manuskript ein. Ob es gut oder schlecht ist, es wird genommen. Vorausgesetzt, er zahlt den völlig überhöhten Druckkostenzuschuss. Der liegt in der Regel bei mehreren tausend Euro und ob er ein Lektorat beinhaltet, ist Glückssache. Bei manchen DKZ-Verlagen gibt es eines, bei manchen nicht. So oder so ein viel zu teures Angebot angesichts der heutigen Möglichkeiten. Diese Verlage sind recht einfach zu erkennen, nämlich daran, dass Summen genannt werden, die der Autor (selbstredend nach „sorgfältiger Prüfung“ des Manuskripts) bezahlen soll. Finger weg, kann ich da nur jedem raten! Aber wer lange genug schreibt, kennt diese Geschichten und könnte auch mit Verlagsnamen um sich werfen.

„Never change a running system“ trifft hier nicht zu, denn das System funktioniert nicht mehr. Bis auf ein paar unerfahrene Jung-Autoren fällt darauf keiner mehr rein. Also muss eine neue Geschäftsidee her.

Und die geht ganz einfach. Der Autor reicht sein Manuskript ein. Es muss sich selbstverständlich thematisch am gewünschten Verlagsprogramm orientieren. Da das aber gerade erweitert wird, kann es gut sein, dass so ziemlich jedes Genre unterkommt. Das Manuskript wird geprüft und wenn es für gut befunden wird, erhält der Autor einen Zugang zur Plattform des Verlags und kann sein Manuskript hochladen. Außerdem sein Cover gestalten. Den Verlagsvertrag bekommt er ganz praktisch auch gleich online. Dagegen spricht ja nichts, bis auf die Tatsache, dass der Autor dem Verlag das exklusive Verlagsrecht an dem Buch überträgt. Der Druck findet in einer Art Print-on-demand-Verfahren statt, das heißt, es investiert in diesem Verlag niemand wirklich Geld in eine Auflage. Sie dürfen aber als Autor natürlich weiterhin einzelne Kapitel nutzen, um für Ihr Buch zu werben.

Was bekommen Sie dafür?

Sie bekommen als Autor eine Umsatzbeteiligung – und zwar ab einem Mindestumsatz. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, den Kaufpreis, der vom Verlag festgelegt wird, durch den Kauf von ein paar Büchern positiv zu beeinflussen. Ich habe da übrigens auch mal im Verlagsprogramm gestöbert und empfand die Bücher als viel zu teuer für den Verkauf. Wer zahlt für 150 Seiten über 25 Euro? Von einem unbekannten Autor?

Dafür wird das Buch dann weltweit bei allen Distributoren gelistet, zumindest dort wo, es sich lohnt. Das steht unter „Werbung“. Dass das keine Werbung ist, sondern eine Listung der Bücher, wie sie jeder Distributor betreibt, wissen vielleicht nur die alten Hasen und das kann man den Jungautoren nicht vorwerfen. Grundsätzlich klingt das nämlich für unerfahrene Ohren erst einmal interessant. Sie bekommen dafür aber auch – oh Wunder!!! – ein elektronisches Belegexemplar Ihres Buches. Außerdem können Sie Ihr gedrucktes Buch natürlich unter Ausnutzung eines Autorenrabatts selbst erwerben.

Ich fasse mal zusammen:

Ich kümmere mich also selbst um ein Lektorat (teuer!), um ein Cover (genauso teuer!) und lade dann mein Werk eigenhändig hoch. Damit verliere ich die Rechte an meinem Buch und bekomme ab einem Mindestumsatz, der natürlich vorab nicht verraten wird, eine Umsatzbeteiligung, deren Höhe auch vorab nicht verraten wird. Wo ist der Unterschied, außer dass ich als Selfpublisher meine Rechte behalte, meinen Umsatz täglich selbst im Blick habe und auch ganz alleine Geld verdiene, nachdem ich die ganze Arbeit bis dahin auch alleine geleistet oder zumindest finanziert habe?

So, und zum Verlagsprogramm, da sollte man sich auch keinen Täuschungen hingeben. Bei meinem Angebot steckte eine große GmbH dahinter, die mehrere kleine Imprint-Gesellschaften unterhält. Da ist also für jeden was dabei. Die Erfahrungsberichte im Internet sprechen Bände. Warum erzähle ich das eigentlich hier in meinem Blog? Anfangs sprach ich von Eitelkeit. Davon können wir uns alle nicht freisprechen und genau an diesem Punkt setzen diese Angebote an. Welcher Autor freut sich denn nicht darüber, wenn er die Früchte seiner Arbeit als gedrucktes Buch in der Hand halten kann? Alle freuen sich!

Aber: Es gibt bessere Wege. Entweder findet man die ganz alleine für sich heraus oder man wendet sich an einen seriösen Verlag. An dieser Stelle schalte ich die Ironie wieder aus und klicke auf „speichern“. Dieses Angebot war auf jeden Fall ein Anlass, um laut zu lachen und das ist gesund. Also, nix passiert!

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