Rezensionen: Von Sternchen und Lesermeinungen

Menschen kaufen Bücher, Menschen lesen Bücher, Menschen sprechen über Bücher. Für Autoren ist das unglaublich wichtig. Wenn ein Leser sich in irgendeiner Online-Lesergruppe für ein Buch begeistert, ist das die beste Werbung für den Autor. Wenn dir also ein Buch wirklich gefallen hat, dann sprich ruhig darüber – so unterstützt du die Künstler, deren Arbeit dir ein paar schöne Stunden oder Tage beschert hat!

Ebenso wichtig sind Rezensionen!

Kein Mensch kauft ein Buch, wenn keine einzige Rezension dazu zu lesen ist. Warum das so ist? Ich habe keine Ahnung! Wir leben im Online-Zeitalter und alle Bücher, die online bestellt werden können, werden mit großzügigen Leseproben angeboten. Ich kann also als Leseratte durch ein paar Seiten blättern und mir einen ersten Eindruck verschaffen. Nicht anders als beim Einkauf in der Buchhandlung um die Ecke. Denn wie gehen wir da vor? Wir laufen durch, scannen die Regale, die Präsentationstische, die Bücherstapel. Unser Blick bleibt auf einem Cover haften, wir nehmen das Buch in die Hand – und lesen den Klappentext. Sagt er uns  zu, blättern wir im Buch und treffen eine Entscheidung. Im Online-Handel läuft es nicht anders, nur dass wir während unserer virtuellen Streifzüge durch die Buchwelt bequem in unseren eigenen vier Wänden sitzen.

In der virtuellen Einkaufswelt haben Rezensionen unabhängiger Leser den gleichen Stellenwert wie ein Verkaufstisch, auf dem Buchhändler in der realen Einkaufswelt die Bücher stapelweise auslegen, die aktuell besonders nachgefragt sind. Ein Buch, das überhaupt keine Rezensionen erhalten hat, wird nur zögerlich oder überhaupt nicht gekauft. Ein Drama für den Autor, wenn das so bleibt. Ein „Einführungsproblem“, mit dem ein Autor sich bei jeder neuen Veröffentlichung herumschlagen muss, es sei denn, er/sie hat bereits eine Fangemeinde. Doch jeder fängt mal an, nicht wahr?

Beginnt nicht jeder Weg mit dem ersten Schritt?

Bei einer Neuerscheinung dauert es unter Umständen mehrere Wochen, bis eine erste Rezension erscheint – dabei wären (ehrliche!) Rezensionen gerade an dieser Stelle total wichtig. Viele Leser jedoch schreiben überhaupt keine Rezensionen, grundsätzlich niemals. Das kostet ja auch Zeit, die hat nicht jeder. Verständlich. Unter den Lesern, die schon gerne hier und da mal eine Rezension schreiben, mag aber kaum jemand den Anfang machen. Wenn ein Buch bzw. ein ebook noch gar keine Rezension erhalten hat, dann scheuen sich nicht nur potenzielle Käufer vor einem Kauf: Auch die, die es schon gelesen haben, warten oft lieber erst mal ab. Es ist schwierig, den Anfang zu machen!

Bei den meisten Online-Händlern kann man Sterne vergeben. Meist von 1 bis 5. Und da ist das nächste Teufelchen enthalten. Wenn ein Buch noch gar keine Rezensionen erhalten hat und ich bin die erste Leserin … oh weh, was schreibt man denn da? Normalerweise sollte das davon abhängen, wie sehr mir ein Buch gefallen hat. Wenn ich begeistert war, wenn mich die Story mitgerissen hat, dann kann ich das ruhig äußern. Viele Leser trauen sich das aber nicht. Erst mal abwarten, was andere dazu meinen! Eine entsprechend positive Rezension würde dem Autor allerdings unglaublich helfen!

Wohin mit der negativen Meinung?

Aber was ist, wenn ein Buch noch gar keine Rezension erhalten hat, ich es aber richtig schlecht fand? Wenn das passiert, dann kann eine erste Rezension, die negativ ausfällt, den Tod eines Buches bedeuten.  Ehrlich gesagt, bei mir hängt es immer davon ab, WIE schlecht ich ein Buch fand. Wenn es einigermaßen okay ist, aber ich während des Lesens einfach feststelle, dass es mich nicht berührt, mich nicht fesselt, mich überhaupt nicht „anfasst“, dann kann ich ruhig nach dem Motto vorgehen: „Wenn ich nichts Gutes zu sagen habe, sage ich lieber überhaupt nichts.“ Ich will doch niemandem schaden, klar. Mein Lesegeschmack ist nicht ausschlaggebend. Auch wenn ich es nicht mochte, aber andere sind vielleicht begeistert davon. Ich bringe immer gerne das Beispiel mit dem „Herr der Ringe“. Ich mache mir jetzt vielleicht keine Fans, denn dieses Buch wird entweder geliebt oder gehasst. Dazwischen scheint es nichts zu geben.  Ich gehöre zu denen, die es hassen. Das heißt aber nicht, dass ich Tolkiens Arbeit nicht zu schätzen wüsste. Im Gegenteil! Er hat ein großartiges Werk geschaffen. Es fasst mich nur nicht an! Beim Herrn der Ringe bleibe ich lieber bei den Filmen und habe mir diesbezüglich von den Fans dieses Werks schon genug anhören müssen. Niemals würde ich diesem Werk eine negative Rezension geben, denn ich weiß, dass es großartig ist. Ich mag es nur nicht.

Aber ganz offen gesprochen: Wenn man sich richtig ärgert über ein Buch, dann sollte man das ruhig mitteilen. Ich habe vor einigen Tagen zum Beispiel ein Buch eines Self-Publishers entdeckt, der offenbar spanischer Herkunft ist. Ich weiß nicht, ob der Autor gut schreibt. Die deutsche Übersetzung ist keine Übersetzung. Der Text klingt, als hätte man ihn durch den Google-Übersetzer gejagt und das Ergebnis verwendet. Wahrscheinlich ist auch genau das passiert, denn schon der Titel war grammatisch falsch übersetzt. Ich habe es natürlich nicht gekauft. Aber ein erster Leser tat es und äußerte auch ziemlich wütend seinen Unmut.

Der Blick ins Buch

An dieser Stelle frage ich mich aber auch: Wirft denn niemand einen „Blick ins Buch“? Über die Leseprobe dort habe ich doch die Möglichkeit, mir schon vor meinem Kauf einen Eindruck vom Schreibstil zu machen. Der Klappentext informiert mich darüber, was mich in diesem Buch erwartet. Wenn es gut läuft, hat das Buch auch schon ein paar Rezensionen und ich kann vor einem Kauf noch mal lesen, was andere dazu zu sagen hatten.

Bücher mit vielen Rezensionen werden natürlich eher gekauft als Bücher, die keine einzige Rezension bekommen haben. Das liegt daran, dass insbesondere in Amazonien den Online-Surfern hauptsächlich Bücher angezeigt werden, die viele Rezensionen erhalten haben. Und viele Leser lassen sich sogar über den Filter die Bücher mit den meisten Rezensionen anzeigen.

Aber grundsätzlich: Wenn ich ein erstes Kapitel über den „Blick ins Buch“ gelesen oder grob überflogen habe, weiß ich doch, ob mich das Buch interessiert, und ob ich den Stil mag oder nicht! Und trotzdem scheuen sich viele Käufer davor, ein Buch zu kaufen, das noch keine Rezension bekommen hat und stöbern lieber weiter. Wieder andere lassen sich von vielen Fünfsterne-Rezensionen hinreißen und kaufen, obwohl ihnen die Leseprobe nicht gefällt.

Laber nicht, Sofia …

Du fragst dich bestimmt, worauf ich eigentlich hinaus will. Es ist einfach so: Du hilfst einem Autor intensiv weiter, wenn du sein Buch mochtest und das auch in Form einer Rezension anderen Lesern mitteilst. Du hilfst auch Lesern weiter, wenn du ein richtig grottiges Buch entdeckt hast und es mitteilst. Es ist grundsätzlich gut, wenn man die Möglichkeit hat, den Markt mitzubestimmen – und die hast du als Leser. Ganz unabhängig von anderen Lesern. Wenn du ein Buch nicht mochtest, obwohl es vielleicht gut ist, es nur nicht deinem Lesegeschmack entspricht, dann schreibe eben gar nichts. Es ist aber wichtig, dass du deine Meinung äußerst, wenn es dich begeistert hat. Und es ist auch wichtig, dass du deine Meinung sagst, wenn du ein Werk erwischt, das offenbar ein Schulaufsatz ist oder durch eine Übersetzungsmaschine gejagt wurde.

Ein Stern? Oder fünf Sterne?

Ganz einfach: Wenn du eine Rezension schreibst, sei ehrlich. Kein Autor hat etwas davon, wenn Leser das Buch lobhudeln, obwohl es ihnen nicht gefallen hat. Wenn dir ein Buch inhaltlich nicht gefallen hat oder du mochtest die Geschichte nicht – dann ist es dein gutes Recht, das auch zu sagen. Allerdings solltest du dich an dieser Stelle auch fragen: Warum habe ich es dann überhaupt gekauft? Schließlich habe ich ja als Leser die Möglichkeit, im Buch zu blättern, mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Darin zu lesen! Den Klappentext zu lesen! Wenn du all das gemacht hast und du hast während des Lesens festgestellt, dass dir dies oder das im Buch nicht zusagt, dann solltest du auch die Gründe benennen. Nur so kann der Autor erfahren, woran er/sie möglicherweise noch einmal arbeiten sollte. Nichts ist für einen Autor wichtiger als konstruktive Kritik. Natürlich gibt es Autoren, die das nur schwer ertragen – aber da müssen wir leider alle durch. Dass eine Geschichte es nicht geschafft hat, dich zu erreichen, dich zu berühren, heißt nicht, dass das Buch schlecht ist. Du warst begeistert? Dann kannst du das ja auch ruhig schreiben und fünf Sterne vergeben. Vielleicht erwähnst du in deiner Bewertung auch, was dich an diesem Buch so begeistert hat, denn das sind wertvolle Hinweise für andere Leser.

Ich persönlich habe für eines meiner Bücher eine Drei-Sterne-Rezension von einer Leserin erhalten, die von der Story an sich begeistert war. Aber sie mochte die erotischen Szenen nicht, weil sie „so was“ einfach nicht lesen mag. Das ist okay – und ich habe anhand dieser Rezension als Autorin begriffen, dass ich darauf hinweisen sollte, wenn ein Buch erotische Szenen enthält. Nicht jeder Leser ist begeistert davon und wer erotische Szenen überhaupt nicht mag, sollte dann eben auch das ein oder andere Buch nicht kaufen. Dazu muss man als Leser aber wissen, was einen erwartet. Lektion gelernt! Die Leserin hat das nicht ahnen können, denn die erotischen Szenen kommen erst in späteren Kapiteln vor, waren also in der Leseprobe nicht enthalten.

30 Rezensionen mit fünf Sternen – aber mir gefällt es nicht?

Ich habe mich neulich mit einer Leserin über ein bestimmtes Buch unterhalten, das ihr überhaupt nicht gefiel. Es hatte aber um die 20 Fünf-Sterne-Rezensionen. Am liebsten hätte sie eine Ein-Sterne-Rezension vergeben, erzählte sie mir. Sie war wütend. Die Thematik in diesem Buch hat sie total aufgebracht, sie wusste aber, was auf sie zukommt. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, dass der Autor das Thema auf die Weise angeht, wie es in diesem Buch nun einmal der Fall war. Aber sie wolle ja dem Autor nicht schaden, erklärte sie mir. Das Buch hatte ungeheuer viele Rezensionen mit fünf Sternen. Ob man da nun eine negative Rezension dazwischen schiebt, muss eben jeder selbst entscheiden, aber hätte sie dem Autor in diesem Fall wirklich geschadet? Ich glaube eigentlich nicht.

Ein gutes Beispiel ist eines meiner Lieblingsbücher, das aus der Feder von John Niven stammt. Ein Bestseller. Es hat unzählige Male 5 Sterne erhalten und wurde hoch gelobt. Ebenso unzählige Bewertungen mit einem Stern finden sich zu diesem Buch, in dem wütende Leser sich stinksauer über die Art und Weise äußern, wie der Autor das Thema angepackt hat.

Meine Meinung: Bei vielen guten Rezensionen ist eine negative Rezension kein Weltuntergang. Man sollte nur begründen können, was an einem Buch nicht gefallen hat. Es gibt kein einziges Buch auf dieser Welt, von dem alle Leser ohne Wenn und Aber begeistert sind. Wenn ein Buch aber ausschließlich Rezensionen mit 5 Sternen erhält, ist das so manchem Leser suspekt. Gerade die erfahrenen Leser, die Bücher wirklich verschlingen wissen, dass nicht jeder von jedem Buch begeistert ist. Ein gutes Buch polarisiert.

John Niven hat für sein Werk „Gott bewahre“  sage und schreibe 462 Rezensionen erhalten – Stand 21. Januar 2016. Davon wurden von 267 Rezensenten die sagenhaften fünf  Sterne vergeben. 89 Rezensenten bewerteten das Buch mit vier Sternen. Drei Sterne gab es von 47 Rezensenten, 20 bewerteten das Buch mit 2 Sternen und 39 regten sich furchtbar über Inhalt und Schreibstil auf und gaben dem Buch einen Stern. Wir sprechen hier von einem Bestseller, der immerhin bereits 2011 erschienen ist und immer noch einen recht guten Verkaufsrang zu verzeichnen hat. Und möglicherweise sich viele Leser sogar zum Kauf entschieden, weil eben nicht alle Rezensenten sein Werk gelobhudelt haben.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich will niemanden dazu animieren, negative Rezensionen zu schreiben. Im Gegenteil. Nur weil es dir nicht gefallen hat, heißt das noch lange nicht, dass es anderen auch nicht gefällt. Hör doch einfach auf deine innere Stimme. Ich habe nur eine einzige, negative Rezension geschrieben in meinem Leben und sehr viele Positive. Bei dieser einen negativen Rezi hatte ich das Gefühl, ich muss anderen Lesern unbedingt sagen, dass sie einen fehlerhaften Schulaufsatz bekommen, der übrigens nur wenige Seiten enthielt – dafür aber ganz viele Seiten mit Werbung.

Traut euch, eine Rezension zu schreiben. Ihr helft dem Autor!

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