Rezension schreiben – wie mache ich es richtig?

Ich glaube, alle meine Kolleginnen und Kollegen kennen das. Das Buch wurde gelesen und man ist begeistert oder auch nicht, es haben manche Dinge gefallen, andere nicht … und das erfährst du als Autor via PN, E-Mail, am Telefon oder ganz persönlich. Meist erfährt man es gar nicht. Oder man treibt sich in entsprechenden Foren herum! Sehr oft lese ich in den Büchergruppen: „Rezension schreiben? Hm, wie mache ich denn so was? Also ich weiß einfach nicht, was ich da schreiben soll…“ In meinem heutigen Artikel versuche ich, Lesern ein bisschen Hilfestellung zu geben. Buchblogger machen so etwas jeden Tag und wissen, wie es geht.

Mach dir Notizen!

Du musst keine Romane schreiben, aber wenn dir etwas auffällt, notiere es dir während des Lesens. Das kann eine Szene sein, die dir ganz besonders gut gefallen hat. Das kann auch eine Szene sein oder eine Formulierung, die du gar nicht mochtest. Vielleicht gefällt dir eine Person in der Handlung ganz besonders gut oder du magst die Art, wie die Personen dargestellt werden – wenn du dir solche kleinen Details schon während des Lesens notierst, hast du später eine gute Gedankenstütze, wenn du eine Rezension formulierst. Gerne wird auch mal dazu geraten, bestimmte Stellen mit einem Textmarker zu markieren. Das machen wahrscheinlich aber nur professionelle Rezensenten. Bücherliebhabern – und da zähle ich mich dazu – widerstrebt es natürlich, in einem Buch herumzumalen. Aber alternativ nutze ich persönlich gerne diese kleinen Post-it-Zettelchen. Die gibt es nämlich auch in ganz klein und schmal und man kann damit eine Seite oder eine Stelle im Text markieren, ohne das Buch zu beschädigen.

So baut man eine Rezension auf

Normalerweise nennt man zunächst den Autor und den Titel des Buches, das rezensiert werden soll. Dann werden die wichtigsten Protagonisten genannt, die auch in ihren Charakterzügen ein wenig beschrieben werden sollten. Es folgt eine kurze Inhaltsangabe – aber das Ende sollte man auf keinen Fall verraten.

Wenn dieser Teil der Rezension „steht“, kannst du auf den Schreibstil eingehen. Ist er flüssig? Oder hat irgendwas deinen Lesefluss gestört? Ist die Sprache verständlich, zu kompliziert, zu einfach? Gehobene Ausdrucksweise, Umgangssprache?

Im Anschluss kannst du auf die Handlung eingehen: War sie für dich schlüssig, gut nachvollziehbar? Oder eher unrealistisch? Ganz zum Schluss kannst du dann ein paar Sätze zu deinem Gesamteindruck äußern. An dieser Stelle kannst du äußern, was dir besonders gut oder gar nicht gefallen hat.

Kurzer Abriss zum Inhalt

Das sollte an dieser Stelle einfach mal gesagt werden: Manche Leser meinen es sehr gut und schreiben eine ganz ausführliche Rezension. Sie machen sich unglaublich viel Mühe und schwupps, ist es passiert: Im letzten Satz oder den letzten zwei Sätzen wird verraten, wie das Buch endet. Ich bin sicher, dass so etwas versehentlich passiert, weil man als Leser einfach unerfahren ist und sich vielleicht von seiner Begeisterung (oder seinem Ärger) hinreißen lässt. Für den Autor ist das eine Katastrophe. Gute Autoren bemühen sich bis zu einem bestimmten Punkt in der Geschichte, Spannung aufzubauen, das Ende im Ungewissen zu lassen, vielleicht sogar etwas Verwirrung zu stiften. Und dann wird in einer Rezension verraten, wer der Mörder ist. Andere Leser, die sich vor dem Kauf eines Buches durch die bereits vorhandenen Rezensionen über das Buch informieren, klappen also den Artikel wieder zu. Wenn sie schon wissen, wer der Mörder ist, oder wie die Liebesgeschichte endet, dann nimmt ihnen das einen Großteil des Lesevergnügens. Aus diesem Grund: Natürlich gehört eine kurze Beschreibung des Inhalts dazu – aber bitte, bitte, bitte verrate niemals das Ende!

Meinung begründen!

Der Abschluss einer Rezension ist immer die eigene Meinung, die man sich als Leser gebildet hat, also eine kurze Information zum Gesamteindruck des Buches. Das ist die Stelle, an der d u deine Meinung auch begründen solltest. Angenommen, du gibst dem Buch eine 1-Sterne-Rezension, weil du dich wirklich geärgert hast: Dann kannst du das in den letzten ein oder zwei Sätzen begründen. Was hat dich daran verärgert? Es ist übrigens ein großer Unterschied, ob dir einfach nur die Geschichte nicht gefallen hat oder der Autor schlecht schreibt. In dem Fall kannst du ruhig schreiben, dass die Story einfach vom Genre her nicht dein Fall war.

Hat dir jedoch irgendwas an diesem Buch ganz besonders gut gefallen, dann solltest du auch das begründen. Waren es die Charaktere, die spannende Handlung, das nicht vorhersehbare Ende? Der Schreibstil, die gewählten Stilmittel des Autors?

Rezension schreiben? Konstruktive Kritik ist wichtig

Das Thema taucht immer wieder auf, deswegen sage ich es an dieser Stelle noch einmal: Du tust einem Autor keinen Gefallen, wenn du sein Werk lobhudelst, obwohl es dir nicht gefallen hat. Wenn es dir nicht gefallen hat, versuch es wirklich zu begründen. „Das Buch ist total doof“ ist keine Begründung. Konstruktive Kritik meint: Falls sich Wiederholungen in der Geschichte eingeschlichen haben, falls dir etwas an den Charakteren oder der Handlung nicht gefallen hat, dann kannst du ja begründen, was das genau war. Mir hat zum Beispiel mal eine Leserin eine sehr konstruktive Rezension geschrieben, zu der ich zwar erst mal schlucken musste – aber sie hatte Recht. Es gab ein paar Redundanzen in meiner Geschichte. Sie mochte auch meinen Hauptprotagonisten nicht. Aber sie wies darauf hin, dass die Story ab einem bestimmten Punkt total in Fahrt gekommen ist und sie war begeistert von einem anderen Charakter in der Geschichte, sprach von einer Tiefe, die sie nicht vermutet hätte. Für einen Autor bedeutet konstruktive Kritik die Chance darauf, das Buch noch einmal dahingehend zu prüfen und eventuell zu verändern. Gerade bei ebooks ist das selbstverständlich überhaupt kein Problem.

Ebenso verhält es sich natürlich mit positiven Rezensionen: Wenn du begeistert warst von einer Story, ihren Charakteren, dem ganzen Plot, und ja, vielleicht auch vom berührenden Happy-End, dann kannst du das ja auch entsprechend begründen. Bleiben wir bei meinem Satz von weiter oben, drehen ihn aber um: „Das Buch ist total toll“ ist keine Begründung. Du kannst aber sicher begründen, was dir an diesem Buch besonders gut gefallen hat?

So viel Arbeit – ach nee …

Ach bitte, doch! Wenn ein Buch bereits 180 Rezensionen hat, ist deine möglicherweise nicht mehr so wichtig. Das ist meist bei bereits bekannten Autoren und ihren Werken der Fall. Aber gerade dann, wenn du einen sogenannten „Indie-Autor“ erwischt hast, dir hat das Buch gefallen und es gibt noch gar keine oder nur sehr wenige Rezensionen – bitte trau dich doch! Und bitte, mach dir doch die Mühe. Du musst keinen Roman schreiben, du bist schließlich Leser. Aber in ein paar kurzen Sätzen, vielleicht aber mit etwas Orientierung an einem Gerüst, wie ich es in diesem Artikel aufgezeigt habe – das kann für den Autor wirklich wichtig sein.

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