Erste Leser, erste Gedanken

Da habe ich es also schon wieder gemacht: Ein Buch herausgegeben. „Und Oenghus weinte“ ist im Moment nur als ebook erhältlich. Die Printausgabe wird folgen, aber gut Ding will Weile haben, nicht?

Und schon werde ich wieder gefragt: „Sofia, was ist denn daran biografisch? Hm?“

Wollt ihr das ehrlich wissen?

Okay, dazu muss ich aber ein bisschen ausholen. Ich habe natürlich mein eigenes Leben, auf das ich zurückblicke. Und in diesem eigenen, echten Leben, sehr viele Bekannte und eine Handvoll guter Freunde und Freundinnen. Es ist einfach so, wie es immer ist, wenn ich schreibe. Es ist natürlich immer irgendwas Autobiografisches enthalten. Und wenn es nur eine Meinung ist, ein Kleid, das man mal getragen hat und im Fall von „Und Oenghus weinte“ vielleicht ein Typ Mann, den man bevorzugt und ein Typ Mann, dem man mal begegnet ist.

Also, Butter bei die Fische, wie man so schön sagt: Wenn man sein Leben als Single-Frau durchwandert, sind die Erfahrungen durchwachsen. Gibt man in Frauenkreisen mal die eine oder andere Anekdote zum Besten, darf man damit rechnen, das andere das auch tun. Da kann unter Umständen tatsächlich so einiges zusammenkommen und das Gelächter ist groß. Und abschließend stellt man immer wieder fest, dass es mit den Jahren nicht einfacher wird, sich noch mal zu verlieben. Hinzu kommen natürlich all die schlauen Bücher, die man im Laufe seines Lebens liest, darüber, wie Partnerschaften und Beziehungen sein sollten. Hinzu kommen auch die Gurus im Internet, die von bedingungsloser Liebe sprechen und, und, und. Facebook ist eine wahre Fundgrube für Kuriositäten in Sachen Liebe und Beziehung. Ich kann es selbst nicht erklären, aber Autoren haben irgendwo, tief in sich drin, eine Art Speicher. Dort werden solche Eindrücke, Erzählungen und Begegnungen gesammelt und gehortet. Ein ganzes Leben lang, und da kommt schon einiges zusammen. Der interne Speicher von Autoren speichert aber nicht eins zu eins. Nein, er mischt die Ereignisse und die Personen, er zerknatscht sie und formt neue, skurrile Dinge daraus, die irgendwann in eine Geschichte einfließen.

Biografisch an diesem neuen Roman aus meiner Feder ist, dass ich in meinem zarten Alter von inzwischen 51 Jahren einfach keine Lust mehr habe auf Kompromisse, die zu meinen Lasten gehen. Als Last empfinde ich zum Beispiel eine erzwungene Beziehung mit einem Menschen, der es nicht schafft, mehr als freundschaftliche und kameradschaftliche Gefühle in mir zu wecken. Das bedeutet für mich im Klartext, entweder es knallt so richtig, oder eben nicht. Vernunftsbeziehungen mit jemandem, der zufällig gerade frei ist, mit dem ich aber niemals echte Nähe haben kann, sind nicht mein Ding. Damit stehe ich aber nicht alleine da. Einer meiner Leser sagte neulich:

„Du hängst aber die Messlatte ganz schön hoch. Da ist man als Mann ganz schnell überfordert.“

Ich meine: Nein. Denn wo hängt denn die Messlatte? Mein Protagonist ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Frauen sich (meistens) wünschen. Er arbeitet nicht, auch wenn er – gottlob – andere Möglichkeiten hat, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Aber er lebt dadurch nicht auf großem Fuß. Er ist also das totale Gegenteil von einem Mann, den man als erfolgreich bezeichnen kann. Er bietet meiner Protagonistin Sicherheit, aber diese Sicherheit bezieht sich auf das Emotionale. Sie sucht keinen Mann, der ihr ein tolles Leben finanziert, sondern einen, der ihr Herz versteht. Er ist auch äußerlich nicht der schönste Mann, aber er ist innerlich schön. Vor allem ist er eines: Cool. Und ich glaube, das ist auch das, was mein Leser meinte, als er von einer viel zu hohen Messlatte sprach.

Mein Protagonist ist einfach cool. Obwohl er schon fünfzig Jahre alt ist, fährt er Motorrad, raucht, und er flucht auch gelegentlich. Von diesen Typen gibt es aber doch jede Menge, also kann er ja gar nicht so außergewöhnlich sein, oder?

Lustigerweise ist dieser Leser, der mich darauf ansprach, eigentlich auch ein total cooler Typ. Vielleicht wissen die coolen Typen gar nicht, dass sie cool sind?

Zurück zu meinem Buch: Die meisten Single-Frauen beklagen, dass ihnen einfach keine coolen Typen mehr begegnen. Das ist nämlich das Schicksal von Single-Frauen in fortgeschrittenem Alter. Sie wissen zu viel. Sie haben eine Menge Lebenserfahrung und für sie steht fest, was sie ungefähr wollen. Ganz fest steht auf jeden Fall das, was sie nicht mehr wollen. Und jede Single-Frau, mit der ich mich in den letzten Jahren unterhalten habe, erzählt das Gleiche: Sobald man Single ist, scheint es wie verhext zu sein. Nur noch „uncoole“ Männer unterwegs. Ist man irgendwann dann doch wieder in einer Beziehung, begegnet man plötzlich wieder einem coolen Typ nach dem anderen. Verstecken die sich etwa vor Single-Frauen?

Der Gerechtigkeit halber: Natürlich ist das auch umgekehrt so. Ich erinnere mich lachend an die Schilderung eines Bekannten vor einiger Zeit: „Nur noch Frauen unterwegs, die abends mit Lockenwicklern ins Bett gehen und bei  Schlagern im Fernsehen mitklatschen.“

Ja, das gibt es. Kommen wir zum Buch zurück: Diese Gedankengänge habe ich in diesem Buch aufgegriffen. Wenn ihr „Und Oenghus weinte“ lesen solltet, werdet ihr Menschen begegnen, die cool geblieben sind. Und vielleicht stellt ihr dann beim Lesen fest, dass ihr selbst gar nicht so weit weg davon seid. Menschen, die cool sind, machen einfach das, was sie lieben, das ist nämlich der Punkt. Und sie machen das vor allem nicht von einem Lebensalter abhängig.

Meine Protagonisten rauchen, trinken gerne mal ein Bier, hören Hardrock, manche von ihnen rauchen zwischendurch auch mal einen Joint, fahren Motorrad und sie haben Sex. Gute Überleitung, denn jetzt schließt sich der Kreis wieder.

Ich bin von ersten Testlesern gefragt worden: „Was schreibst du da eigentlich? Also, es ist ja interessant, aber da ist diese Liebesgeschichte, die frechen Tagebucheinträge mit den ganz eigenen Erkenntnissen der Protagonistin, und so einige, erotische Szenen. Die ziehen sich aber nicht durch das ganze Buch. Ist das jetzt Chick-Lit? Ist es ein Liebesroman? Oder ist es ein erotischer Roman? In so einigen Kapiteln musste ich ja ziemlich lachen, ist das jetzt das Genre Humor?“

Verwirrung pur. Der Untertitel lautet: „Erotischer Liebesroman“. Das habe ich deswegen gemacht, weil ich bei meinem Roman „Mit Haut und Haar“ die Erfahrung gemacht habe, dass es Leser gibt, die erotische Szenen kategorisch ablehnen. Das wollen sie nicht lesen. Also, dachte ich, verdeutlichst du mal gleich, dass deine Protas ganz normale Menschen sind, dass sie Sex haben und dass darüber auch erzählt wird. Mit dem Ergebnis, dass Amazon mein Buch jetzt gleich in die Kategorie Erotik geschoben hat. Diese Bücher haben keinen gesamten, sondern nur einen Kategorie-Verkaufsrang. Sie werden Lesern nicht angezeigt, es sei denn, sie stöbern explizit in dieser Kategorie. Mein humorvoller, erotischer Liebesroman steckt jetzt zwischen Geschichten, die Fans von Chick-Lit oder sagen wir doch einfach mal Liebesromanen, niemals anfassen würden. Aber gut, wer es finden will, wird es finden. Und es gibt ja auch noch andere Anbieter als Amazon, bei denen das Buch auch in Kürze erscheinen wird.

Um nun die Frage zu beantworten, was es denn nun genau ist:  Ich mag keine Schubladen. Chick-Lit und eine Liebesgeschichte schließen sich nicht aus. Denn was ist denn Cick-Lit per Definition? Es ist Unterhaltungsliteratur, die sich an Frauen wendet. Die Hauptprotagonistin ist eine Frau, die Geschichte spielt in deren Umfeld, die Freundinnen sind also involviert. Check! Eine Liebesgeschichte ohne Erotik kann ich mir im wahren Leben nicht vorstellen, also warum sollten meine Protagonisten ohne Erotik auskommen müssen?  Und was den Humor betrifft – also ich finde schon, wenn man die Dinge mit Humor betrachten kann, dann sollte man das ruhig auch tun. Das macht das Leben leichter und unter Umständen auch ein Buch.

 

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